INTERVIEW MIT NINA BLAZON

INTERVIEW MIT NINA BLAZON

Ein Hauch von Folk-Horror, Krimispannung und der Kitzel von Gänsehaut ...

Habt ihr schon "Totenbraut" von Nina Blazon bei uns entdeckt? Die Schmuckausgaben sind schon bei uns eingeflogen und wir können uns gar nicht daran sattsehen. 🤩
Im Interview verrät uns Nina, was sie zu der Geschichte inspiriert hat, was es mit dem Vampirmythos in Südosteuropa wirklich auf sich hat und vieles mehr:

Das Bild zeigt, wie das Buch "Totenbraut" von Nina Blazon hochgehalten wird, so dass man das Cover sieht. Im Hintergrund sieht man Bücherregale im Drachennest.

Versuch doch bitte, uns in einem Satz ein Gefühl dafür zu vermitteln, was uns in TOTENBRAUT erwartet.

Ein Hauch von Folk-Horror, Krimispannung und der Kitzel von Gänsehaut, die durch Ahnungen um sehr düstere Familiengeheimnisse entsteht.

Was hat dich zur Handlung des Buches inspiriert?

Tatsächlich: Mein Interesse an Geschichte. Ich liebe es, Romane zu schreiben, die Historie erlebbar machen. Und in diesem Fall wollte ich keinen Vampirroman mit erotischem Neuzeit-Vampir schreiben, sondern die historischen und volkskundlichen Ursprünge dieses Mythos erforschen. Der „Upir“ Südosteuropas, an dem sich auch Bram Stoker zu einem gewissen Teil orientiert hat, erinnert zwar nicht an den Gentleman-Vampir, den wir heute kennen, hat aber ganz eigene, interessante Züge. Als Vorlage für die Handlung diente die Vampirhysterie im Dorf Medveda in Serbien im Jahr 1731. Damals starben viele Dorfbewohner nach kurzer Krankheit, was man einem kürzlich verstorbenen Dorfbewohner zuschrieb, der als Vampir umgehen sollte. Zur historisch verbürgten Vampirvernichtung (Exhumierung, Pfahl ins Herz) reisten österreichische Offiziere und Ärzte aus Wien an. Ohne ihre Dokumentation des Falles gäbe es den Roman „Dracula“ nicht. Ich fand es zudem sehr spannend, wie manche der vermeintlich unnatürlichen Vorfälle heute aus medizinhistorischer Sicht erklärt werden können.

Und was hat dir bei der Arbeit am Roman besonders viel Spaß gemacht?

Das Spiel mit falschen Fährten und den Grenzüberschreitungen zwischen paranormalen Ahnungen, Aberglauben und ganz realem Horror.

Verrätst du uns ein wenig über Jasna?

Jasna ist ein Mensch ihrer Zeit und so habe ich sie angelegt, auch wenn einiges an ihrem Lebensentwurf unseren heutigen Werten völlig widerspricht. So gilt sie zum Beispiel mit gerade mal 14 Jahren bereits als Frau im heiratsfähigen Alter (was im 17. Jahrhundert und in der ländlichen Region, aus der sie stammt, den Normen entsprach). Ganz bewusst habe ich aus ihr also kein Mädchen aus heutiger Zeit gemacht, das lediglich in historischer Kulisse unterwegs ist. Jasna ist dem gesellschaftlichen und religiösen Wertesystem ihrer Zeit verhaftet. Folglich glaubt sie auch an Dämonen und Wiedergänger. Nur aus dieser Position heraus kann man nachvollziehen, warum Menschen damals so viel Furcht vor zum Beispiel Vampiren hatten. Gleichzeitig ist sie aber auch eine Pionierin, die etwas genauer hinschaut, mit der Zeit vieles hinterfragt und lernt, auch gegen die gesellschaftlichen Regeln für sich und andere einzustehen und damit ihren eigenen Weg zu finden.

Du spielst ja im Roman mit dem Volksglauben rund um Wiedergänger. Welches Detail findest du besonders spannend oder schaurig?

Dass der Ur-Vampir gar kein Blut saugte, das gründet auf einem Übersetzungsfehler. Er saugt den Lebenden sozusagen „nur“ das Leben aus, bringt Krankheiten, Schwäche, Hagelstürme und verdorbene Ernten. Aus heutiger Sicht erscheint es kurios, wenn man zum Beispiel liest, dass die Menschen damals glaubten, auch Kürbisse, die zu lange stehen gelassen werden, könnten vampirische Eigenschaften entwickeln. Ich fand es bei der Recherche spannend, wie oft solche Riten und Sichtweisen sogar in der populären Fachliteratur vorschnell verurteilt oder sogar lächerlich gemacht werden nach dem Motto: „Haha, und dann kriegt der Kürbis Vampirzähne und fällt einen an.“ ABER: Wenn man sich klarmacht, dass der Vampir des Volksglaubens eben kein bleicher Dracula mit langen Eckzähnen ist, sondern seiner Umgebung Lebenskraft und Fruchtbarkeit entzieht, dann ergeben solche Versatzstücke ein logisches Bild: Jemand, der einen Kürbis zu lange stehen lässt, geht mit seiner Nahrung nicht gut um, er lässt das Essen verderben. Der Vampirismus ist hier also ein warnendes Symbol dafür, dass man mit Gottes Gaben wertschätzend umgehen soll. Ich hoffe sehr, dass die Totenbraut dem allgemeinen Bild über Vampire ein paar neue Facetten hinzufügen kann und auch zu einem respektvolleren Blick auf andere Denkweisen einladen kann. Davon lebt ja unser Miteinander über die Kulturen hinweg: vom genaueren Hinschauen und dem Willen, die „Anderen“ wirklich verstehen zu wollen.

Vielen Dank!

 

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