INTERVIEW MIT ANNE DANCK

INTERVIEW MIT ANNE DANCK
Einem König widerspricht man nicht. Oder doch? 

Anfang des Jahres ist "Feuerfeder - Briefe an den König" bei uns erschienen. Habt ihr schon einen Blick in diese ungewöhnliche Märchenadaption geworfen?
Im Interview verrät uns Anne, was genau sich hinter dem ungewöhnlichen Titel verbirgt, welche Themen auf euch warten und viel mehr.

Das Bild zeigt, wie eine Hand das Buch "Feuerfeder - Briefe an den König" von Anne Danck und (davor) die Charakterkarte mit den beiden Hauptfiguren des Buches hält.

Versuch doch bitte, uns in einem Satz ein Gefühl dafür zu vermitteln, was uns in FEUERFEDER erwartet.

Eine cozy Märchenadaption mit Wortgefechten, die teilweise als Briefe ausgetragen werden, einer Slow Burn Lovestory und einem Esel als Sidekick.

Was steckt hinter dem Titel? Warum "Feuer"-Feder?

Hauptperson Ran redet zwar nicht viel, aber denkt umso mehr. Rebellische Gedanken! Und Ran schreibt sie nicht nur auf, sondern übergibt die Briefe auch noch direkt König Laurent. Zum Glück setzt dieser Ran dafür nicht hinter Gittern, sondern auf dem Posten des Beraters - doch auch da untergräbt Ran immer wieder die königlichen Urteile. Hinter Rans stiller Fassade steckt also sehr viel Zündstoff, wenn man so will.

Was hat dich zur Handlung des Buches inspiriert?

Ich mochte das Märchen "Die kluge Bauerntochter" früher sehr gerne. Bei einem genaueren Blick darauf, habe ich jedoch einiges gefunden, was mich inzwischen sehr stört. Zum Beispiel: Weil die Bauerntochter so klug ist, muss sie den König natürlich gleich heiraten - anstatt ihn einfach nur zu beraten, wie es bei einem Mann der Fall gewesen wäre. Deswegen treffen Ran und der König bei mir auch zum 1. Mal aufeinander, als Ran eine Hose trägt. Das führt zu einem Missverständnis ... Und hier sind wir direkt schon bei einem wichtigen Thema, das mich auch zu dieser Geschichte inspiriert hat: Warum sehen wir eigentlich manche Eigenschaften als männlich oder weiblich an? Und was, wenn man sich in einer "Verkleidung" als Mann plötzlich sehr, sehr wohl fühlt? 




Hast du bei der Recherche für das Buch Dinge über "Die kluge Bauerntochter" herausgefunden, die dich überrascht haben?

Auf jeden Fall! Allein die Recherche zum Märchen selbst war schon sehr spannend. Das gibt es nämlich in vielen Sprachen in ähnlicher Version und teilt Motive mit der nordischen Legende über Aslaug, Tochter von Brunhild und Siegfried. Vor allem gibt es dort ebenfalls ein Rätsel, mit der sie ihre Klugheit beweisen soll. Übrigens wird Aslaug auch Randalín oder Kráka genannt. Daher der Name der Hauptperson und der Schwester. 

Was kannst du uns über deine Hauptfiguren verraten?

Ran beschreibt sich selbst als Holzscheit - etwas grob und ungeschliffen, eckt überall an. Vor allem, dass Ran nicht gerne redet und lieber Briefe schreibt, stößt bei Rans eigener Familie sehr auf, die damit überhaupt nichts anfangen kann. Dabei schlummern in Ran, wie gesagt, sehr viele kluge Gedanken, die heraus und gesehen werden wollen. 

König Laurent ist definitiv ein gewöhnungsbedürftiger Charakter, den man erst lieben lernen muss. Denn so charmant er auftritt, macht er es sich doch auch oft zu leicht und investiert nicht gerne Zeit und Mühe. Trotzdem hat er auch ein Auge für verborgene Diamanten und erkennt Rans Potential für die Anstellung als Berater.

Allerdings hat Laurent selbst sehr eigene Vorstellungen davon, was ein Berater tatsächlich tut. Denn eigentlich will er sein eigenes Urteil gar nicht hinterfragen, er ist sich oft sehr sicher (vielleicht auch zu sicher), wie man die Dinge angehen sollte. Und genau über diesen Punkt geraten die beiden auch immer wieder in Konflikt.

Gibt es ein Wiedersehen mit Figuren aus einem deiner anderen Romane?

Wer "Spielmannsbraut" (eine Adaption von König Drosselbart) kennt, dem ist König Laurent schon begegnet. Tatsächlich fiel er da nämlich einige Lesenden sehr unangenehm auf. Das sollte er auch, das war so ein bisschen seine Rolle in Spielmannsbraut. Aber ich wusste damals schon, das eigentlich noch ganz andere (liebenswerte) Seiten in ihm stecken und die wollte ich jetzt in Feuerfeder zeigen. Allerdings sollte Feuerfeder unabhängig von Spielmannsbraut lesbar sein und ich wollte trotzdem für alle ein ähnliches Leseerlebnis. Also erscheint König Laurent auch in Feuerfeder zunächst vielleicht eher unsympathisch und dann lernen wir ihn Stück für Stück etwas besser kennen.

Übrigens gibt es auch einen kleinen Auftritt von Prinzessin Mirelle und einen von ihrem Vater. Und er darf auch wieder unangenehme Dinge sagen ...

Wenn du selbst einen Ort aus dem Buch besuchen könntest: Welcher wäre das und warum hast du dich für diesen entschieden?

In einer Szene zeigt Laurent Ran seinen geheimen Dachgarten, oben auf dem Schloss. Natürlich bei Nacht, im Fackelschein. Dort würde ich sehr gerne einmal vorbeischauen.

Mit welchen anderen Büchern würde FEUERFEDER im Bücherregal kuscheln?

Ich glaube, es würde sich sehr gut mit Das Biest der Highlands von Anna Jane Greenville und Animant Crumbs Staubchronik von Lin Rina verstehen. Die haben zwar beide ein Viktorianisches Setting und Feuerfeder spielt etwa hundert Jahre früher, aber die Bücher teilen die Liebe zu Büchern und Papier, das cozy Setting, die Slow Burn Liebesgeschichte und die sehr sturen, klugen Protagonist:innen. 

Vielen Dank!
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