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Rezension von Elmar Huber für Literra, 21.02.2010
Adventsgeschichte von A bis Z
Julius: „Hi Jungel.“
Jungel: „Hallo Großer. Heute ist der 19te Tag. Du siehst nicht so aus, als wolltest du gerade Bäume ausreißen.“
Julius: „Wozu auch? Ich hab nix gegen Bäume.“
In einem Moment der Unaufmerksamkeit wird Julius vom Auto seiner Eltern erfasst und findet sich vor einem verschlossenen Tor wieder. Doch nicht nur Julius war unaufmerksam. Auch sein Schutzengel, der sich zu ihm gesellt, muss eingestehen, dass er „nicht ganz bei der Sache“ war, wodurch Julius nun - an diesem ersten Dezember - viel zu früh dran ist. Um sich die Zeit totzuschlagen beginnen beide ein Spiel. An jedem Tag, den Julius dort bleiben muss unterhalten sich Jungel, wie Julius fortan seinen Engel nennt, und Julius über ein Wort zu jedem Buchstaben des Alphabets, inklusive zwei Joker, die Julius heraushandelt.
In den folgenden Tagen entspinnen sich geistreiche, erhellende und witzige Dialoge und Geschichten zwischen Julius und seinem Engel, ausgehend von je einem Buchstaben des Alphabets. Zusammen mit Julius lernt der Hörer die Bedeutung und Herkunft geflügelter Worte kennen. Wir lernen Goliath, den Kampfhamster samt Prinzessin Irmgard kennen. Sogar das F-Wort und die Liebe reichen sich die Hände. Zusammen mit Julius werfen wir einen Blick in das Krankenhaus in dem Julius Körper im Koma liegt und an dessen Bett seine Eltern wachen.
Die Autorin Regina Schleheck hat mit ihrer ganz anderen Adventsgeschichte ein schönes Experiment gewagt. Die Dialoge, die sich zwischen Julius und seinem Engel entwickeln wirken in keinem Moment künstlich, was auch den beiden hervorragenden Interpreten Tim Schneider und Juliane Ahlemeier geschuldet ist. Tatsächlich mag man es kaum glauben, dass – nachdem das Hörspiel zu Ende ist – man die meiste Zeit über nur zwei Personen gelauscht hat. Die Dialoge legen ein solches Tempo vor, dass ein Abschweifen überhaupt nicht möglich ist. Dennoch ist die Adventsgeschichte keinesfalls überladen, was ohnehin nicht Regina Schlehecks Stil ist.
Teilweise werden hier alles andere als adventliche Themen behandelt und doch steuert alles merklich auf das höchste katholische Kirchenfest am 24. Dezember hin. Fast ist man als Hörer traurig, dass Julius wieder in die Welt der Lebenden zurückkehrt und seine Gespräche mit Jungel damit nach 78 Minuten enden – zumindest die, deren Zeuge der Hörer wurde.
Diese Adventsgeschichte ist nicht nur für gläubige Christen gedacht. Im Gegenteil. Gerade Menschen, die mit der Kirche und deren Ritualen nichts anfangen können, sollten sich diese alternative Weihnachtsgeschichte anhören. Ohne Pathos werden hier verschiedenste alltägliche Themen behandelt, an die normalerweise keine Gedanken verschwendet werden aber unbedingt einen genaueren Blick wert sind.
Die märchenhafte Musik, die besonders als Untermalung der Goliath-Geschichte in Erscheinung tritt, steuerte Christian Dominik Dellacher bei.