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Leseprobe

Stefanie Rickelhoff Haere mai - Willkommen von Stefanie Rickelhoff  im Drachenmond Verlag

Haere mai - Willkommen!
Reisetagebuch Neuseeland

 

Trübes Wetter, Westwind und Flut bilden genau die richtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Besichtigung der Pancake Rocks. Wenn nämlich die Tasmanische See nicht mehr ruhig, friedlich und blau ist, sondern meterhoch an die Felswände getrieben wird, dann schießt das Wasser mit unvorstellbarem Druck durch enge Schluchten und unter Felsbrücken hindurch, um wild in den sich dahinter öffnenden Becken zu schäumen. Dieser Anblick bietet sich bei ruhiger See nicht, also nicht auf trübes Wetter schimpfen, sondern die Kamera bereit halten.

Ein junges Pärchen folgt ebenso wie wir dem Hinweisschild „Blowhole“ und bleibt enttäuscht um sich blickend neben mir auf der Aussichtsplattform stehen. „Man sieht ja gar nichts!?“ Sie treten dicht an das Geländer und beugen sich darüber. Das Engelchen in mir sagt, dass ich sie warnen sollte, weil ich das Unheil in Form eines Grollens nahen höre, schon länger hier stehe und darum weiß, was jetzt kommt, aber das Teufelchen ist stärker. Sorry.

Erwartungsvoll spähen die beiden in die Tiefe, die Kamera im Anschlag. Das grollende Geräusch wird lauter. Durch die im Fels ausgewaschenen Höhlen wird das Wasser hier nämlich wie in einem Kamin nach oben gepresst und verteilt sich in einem feinen Sprühnebel explodierend auf dem Pärchen und dessen Kamera. Wegen des dabei entstehenden Geräusches, das an einen atmenden Wal erinnert, werden diese steinernen Kamine Blowholes (= Atemlöcher) genannt. Und jetzt wissen die zwei auch, worauf sie beim nächsten Mal achten müssen, damit sie später nicht noch einmal fluchend sich selbst und ihre Kamera trocken legen müssen …