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Leseprobe

Claudia Liath Mondfrau von Claudia Liath im Drachenmond Verlag

Mondfrau

„Ich wünsche mir so sehr einen Namen“, wisperte der Mond so leise wie sachte fallende Blätter in einer verhangenen Herbstnacht. Als wäre es eine unangebrachte, ja beinahe unanständige Bitte setzte der Mond hinzu: „Einen eigenen Namen.“
„Einen Namen?“, herrschte der Nordstern ehe Mutter Nox den Mund auftun oder auch nur Atem holen konnte. „Aber du hast doch einen Namen!“
„Mond ist ein guter und ehrenwerter Name“, meinte der Nordstern. „Ein Name, auf den man stolz sein sollte!“
„Aber es ist kein richtiger Name. Kein Name mit Klang und Botschaft. Er ist so oft verdreht und erweitert worden, dass ich nicht mehr weiß, wer ich bin“, rief der Mond hitzig. Dann fügte er leise hinzu: „Und was ich bin. Bin ich der Mann im Mond, oder doch eher die Schäferin? Vielleicht bin ich auch der Mondhase oder eine einäugige Katze.“ Von den vielen verschiedenen möglichen Identitäten noch mehr verwirrt sagte der Mond mit einem Beben in der Stimme: „Ich weiß es nicht...“