Unser Buchprogramm

Reise - Leseprobe Please keep gate closed - Auf der Suche nach dem irischen Herzschlag von Astrid Behrendt

Astrid Behrendt
Please keep gate closed
Auf der Suche nach dem irischen Herzschlag

 

 

Gestärkt durch ein leckeres Frühstück machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg und zählen die Schafe, die aussehen, als seien sie von der Touristeninformation zu Dekorationszwecken am Berghang platziert worden. Eine Hinweistafel begrüßt uns mit der, wie wir hoffen, realistischen Einschätzung, der Weg sei rough, but passable. Da uns unebene Wege nicht gänzlich unbekannt sind und unsere Blech-Rosinante erwartungsvoll mit den Gummihufen scharrt, nicken wir uns entschlossen zu und sehen uns schon durch die großartigen Ganggräber stapfen.
Ich habe wirklich nichts gegen holprige Wege, denke ich mir, als ich Carrowkeel entgegensteuere. Doch der Weg entpuppt sich als Elch-Teststrecke für Panzerwagen, gespickt mit tückischem Schotter, kilometertiefen Schlaglöchern und Abhängen, die die halbe Straße verschluckt haben. Mir tritt der Schweiß auf die Stirn bei dem Gedanken an die zwangsläufige Rückfahrt! Runter geht der Spaß ja noch, aber wie sollen wir da ohne Raketenantrieb je wieder rauf kommen?


Vor einer stellenweise unterspülten Haarnadelkurve halten wir und starren ungläubig auf den kaum noch vorhandenen Weg vor uns. Da dämmert es mir, dass ich an die schlammigen Kuhwege hätte denken sollen, die als normale Straßen getarnt auf der Landkarte auf ahnungslose Touristen lauern. Ich steige vorsichtig aus und schaue den Abhang hinunter, um mich zu sammeln. Uneben, aber passierbar? Für Helikopter und Batmobile mag das stimmen. Unser Auto allerdings überlegt sich wahrscheinlich gerade, ob es sich nicht mit einem doppelten Achsenbruch elegant aus der Affäre ziehen könnte. Zurückfahren ist keine Option, denn ohne Kran bekommt man das Auto auf dem schmalen Weg nicht umgedreht. In einiger Entfernung entdecken wir vier abgestellte Autos. Na also, irgendwie sind die ja wohl auch runtergekommen, also kann es doch so schlimm nicht sein! Ich stimme ein episches Gebet für die Schutzheiligen der Mietwagen und abenteuerlustigen Touristen an und rangiere den wimmernden Wagen zentimeterweise um die Kurve, während sich meine Mutter mit schreckgeweiteten Augen stumm am Sitz festkrallt...