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Leseprobe
Astrid Behrendt- Blütenstaub um Mitternacht
Quentin, der Quasselzwerg
Quentin war nervös. So nervös, dass er schon einen richtigen Graben in den Boden seiner Zwergen-Erdhöhle gelaufen hatte, da er immer wieder hin und her lief. Was sollte er bloß machen? Seine Eltern hatten sich zu einem Besuch angesagt und er wusste genau, dass sie von ihm erwarteten, eine zukünftige Frau Rübenstecker vorgestellt zu bekommen. Es war durchaus so, dass es Kandidatinnen gab, und Quentin hatte seinen Eltern auch in aller Ausführlichkeit von dem wunderschönen Zwergenmädchen Pilidinia erzählt. Doch bedauerlicherweise hatte Pilidinia nicht den leisesten Schimmer, wer Quentin war, da der Zwerg jedes Mal knallrot anlief und sich hinter dem nächsten Baum versteckte, wenn er seine Angebetete irgendwo erblickte. Seine Freundin Loretta, eine Blütenelfe die den Fingerhut betreute, fand das furchtbar albern. Aber durch nichts, was sie sagte, ließ sich Quentin dazu überreden, das Zwergenmädchen anzusprechen.
»Wie denn auch«, grummelte Quentin vor sich hin, als er sich über den Erika-bewachsenen Hügel auf den Weg zu Loretta machte, um ihr von der drohenden Katastrophe zu erzählen. Wie sollte er Pilidinia ansprechen, wenn sein Gehirn komplett den Dienst verweigerte, sobald er nur an sie dachte! Ihre Augen hatten die Farbe von Lärchenwurzeln. Ihre Nase war ein Kunstwerk und zeigte steil in den Himmel. Und ihre Füße... waren einfach wunderschön! Auf dem linken großen Zeh hatte sie eine höchst charmante Warze mit genau vier Haaren drauf. In die hatte er sich als erstes verliebt.
So vor sich hinschwärmend wäre er fast über Loretta gestolpert, die seltsame Verrenkungen machte.
»Was soll das denn werden?«, fragte er verwundert. Loretta verdrehte die Augen. »Jetzt sag nicht, dass du den Tanzwettbewerb vergess...«
Weiter kam sie nicht, da Quentin ihr ins Wort fiel. »Du wirst es nicht glauben, aber meine Eltern sind im Anmarsch! Was soll ich nur machen, sie denken, Pilidinia ist schon längst meine Verlobte!« Nervös knabberte er an seinen Fingernägeln, die immer etwas nach Erde schmeckten.
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