Unsere AutorenMareike Schuldt

Mareike SchuldtE-Mail schreibenLink zur Homepage

  • Jahrgang 1982
  • lebt in Göttingen
  • Lehramtsanwärterin
  • reiste von Oktober 2007 bis März 2008 mit dem Rucksack quer durch Indien

Wo der Mond auf dem Rücken schläft von Mareike Schuldt im Drachenmond Verlag

Woher rührt Ihr Interesse an Indien?
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Bevor ich meinen Uniabschluss in der Tasche hatte, habe ich mich gar nicht so sehr für Indien interessiert. Dieses Land schien immer sehr weit weg für mich, etwas, was ich mich niemals trauen würde. Als ich dann, nachdem ich meine Bewerbungsfrist fürs Referendariat um einen Tag verpasst hatte, darüber nachdachte, was ich nun mit dem freien halben Jahr anstellen sollte, dachte ich oft an die Berichte von Freunden und Bekannten, die bereits dort gewesen waren. Letzten Endes wollte ich, die immer Angst vor Auslandssemestern hatte, mich auch mal was trauen, aber auf keinen Fall ins komplette Nichts stürzen. Indien schien da sehr geeignet, da es exotisch ist, aber fast jeder Englisch spricht. Irgendwie war das wie ein Virus, mit dem ich infiziert war. Schließlich bin ich dann einfach ab ins Reisebüro und hab den Flug gebucht und als ich wieder rauskam, bin ich tagelang auf Wolken geschwebt, weil ich nicht glauben konnte, was ich gerade getan hatte. Nun war es fest, es gab kein Zurück mehr! Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich sehr für das Land interessiert, obwohl hinterher sowieso alles ganz anders war, als es in den Reiseführern und –tagebüchern stand.
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Gibt es ein Erlebnis, das für Sie die „Quintessenz“ Ihrer Reise war?  Was hat Sie am meisten beeindruckt?
"Es gab es mehrere Erlebnisse, die wundervoll waren. Die Meilensteine meiner Reise waren jedoch mein Aufenthalt in der internationalen Utopiestadt Auroville, in Ammas Ashram, Hampi, die Besichtigung des Taj Mahals, meine Wüstensafari und definitiv Varanasi, die heilige Stadt am Ganges. Im Großen und Ganzen haben all diese Orte sehr viel mit Spiritualität zu tun. Spiritualität ist in Indien sowohl ein alltägliches als auch ein sensibles Thema und ich habe in diesem Land viele Antworten auf Fragen gefunden, die ich mir zuvor nie gestellt habe. Zu einem gewissen Teil kommt mir vieles, was ich vor meiner Reise gedacht und gefühlt habe, so unwissend vor, absolut unbedeutsam. Die Reise hat in Hinsicht auf Spiritualität mein Leben völlig verändert und ein riesengroßes „Warum?“ in mir aufgeworfen. Dieses „Warum?“ kann ich nicht an einem Erlebnis festmachen, sondern vielmehr an der Tatsache, dass man in solch einer Extremsituation viele kleine Momente erlebt, die sich im Nachhinein wie ein Mosaik zusammenfügen und mein Verständnis für mein persönliches „Warum?“ auf dieser Welt ganz entschieden geprägt haben. Mir kommt es so vor, als hätte ich mein Leben hinter einer beschlagenen Scheibe verbracht und Indien hätte mir den Lappen gereicht, um das Glas von der Feuchtigkeit zu befreien.
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