Unsere Autoren
- 1959 in Wuppertal geboren - Kindheit in Köln
- 1986 Studium Germanistik, Sozialwissenschaften, Sport in Aachen
abgeschlossen - Familienausbau in Herford
- seit 1996 in Leverkusen wohnhaft
- 2000 Montessori-Diplom
- geschieden - fünf teils erwachsene Kinder
- Oberstudienrätin an Kölner Berufskolleg
- nebenberuflich Referentin an Erwachsenenbildungseinrichtungen
- Autorentätigkeit seit 1999
- Schwerpunkt Kurzprosa und Hörspiele, aber auch Erzählungen, Drehbücher, Theaterstücke
- einige Preise, viele Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften, Hörspiele
Interview zum Hörspiel Adentsgeschichte von A-Z
(erschienen im Sägeblatt - Magazin zur Buchmesse)
Frau Schleheck, Sie haben ein Hörspiel für Jugendliche geschrieben. Bei der heutigen Fülle an Freizeitangeboten besonders mit Computer, Fernsehen, Playstation und ähnlichem – hat ein Hörspiel da eine Chance?
"Aber definitiv! Man kann es im Gegensatz zum Fernseher zum Beispiel überall hin mitnehmen! Die Kids sind heute ja tendenziell dauerverkabelt. Das mag man beklagen, aber genauso gut könnte man den Vollmond anheulen. Ich sehe es als eine tolle Chance! Jugendliche haben mediale Inszenierungen und Dramaturgie von klein auf inhaliert. Entgegen dem weit verbreiteten Klagegeschrei über die Verblödung Jugendlicher durch Medien verstehe ich sie eher als kompetente und ziemlich anspruchsvolle Rezipienten. Wenn ich mit jungen Menschen ins Gespräch kommen will, muss ich mich auf sie einlassen und eine Form wählen, die sie anspricht und vor allem nicht langweilt! Das Hörspiel lässt im Gegensatz zu visuellen Medien Leerstellen, die der Hörer selbst füllen kann und muss. Diese interpretatorische bzw. gestalterische Freiheit ist doch ein Riesenvorteil!"
Wie fesselt diese Geschichte ihre Zuhörer?
"Die Rahmenhandlung ist ja schon ganz schön heftig. Viele - gerade erwachsene - Hörer reagierten zunächst schockiert bzw. sehr ergriffen. Das hat natürlich auch mit Tabus zu tun, mit denen unsere jugendlichen Hörer oft viel unbefangener umgehen. Die Themen- und Formenvielfalt tut das ihre dazu. Da wird fabuliert, gedichtet, gerappt, geblödelt, philosophiert, gezankt - und obwohl die beiden Protagonisten sich völlig unsystematisch durch die Themen hangeln, die nur durch das Alphabet strukturiert werden, kristallisiert sich doch nach und nach die entscheidende Frage nach dem Ob und Wie des (Weiter-) Lebens immer deutlicher heraus. Interessanterweise kamen gerade die Stellen, die bei Erwachsenen auf Widerstände stießen, bei den Jugendlichen am besten an."
Welche Botschaft möchten Sie vermitteln?
"Mit Botschaften tue ich mich schwer. Diese hier lautet wohl am ehesten, dass man seine eigene finden muss. Es ist letzten Endes Julius' Entscheidung, wie die Geschichte ausgeht. Das ist doch der entscheidende Punkt, wenn ich mit "Ü-Zehnern" ins Gespräch kommen will. Wobei diese Angabe bitte flexibel verstanden werden sollte. Bis zu einem gewissen Punkt ist es ja ganz wichtig, dass man Kindern sagt, wo es lang geht. Aber spätestens mit der Pubertät ist das in der Regel nicht mehr adäquat. Damit tun sich viele Erwachsene schwer. Und dann verfallen sie in das andere Extrem und trauen sie einfach nicht mehr das Gespräch zu suchen, weichen der Auseinandersetzung mit Jugendlichen aus. Dabei wird es doch dann doch erst richtig spannend! Da wird von heute auf morgen auf einmal erwartet, dass die Kids selbst wissen sollen, was gut für sie ist. Damit können diese sich auch ganz schön überfordert oder im Stich gelassen fühlen. Wenn Julius' Schutzengel sich mit ihm auseinandersetzt, ist das eine ständige Gratwanderung. Natürlich kommt er von einem ganz anderen Stern und oft genug kommt er ganz schön besserwisserisch und streng daher. Aber er hat ja selbst einen Fehler gemacht! Er sitzt gewissermaßen in einem Boot mit seinem Schützling. Die zwei arbeiten sich aneinander ab. Wie im wahren Leben also!"
Sie sind Mutter von fünf Kindern - in wie weit ist Ihre eigene Familiensituation eingeflossen?
"Wir hatten eine ausgesprochene Vorlesekultur, die immer auch zu Gesprächen geführt hat. Interessanterweise gab es da keine klare Altersgrenze. Ich konnte ja schlecht jedem eine andere Geschichte vorlesen! Aber egal ob es Bilder- oder Jugendbücher waren, alle hockten zusammen, hörten zu und gaben ihren Senf dazu. Natürlich gab es immer auch jahreszeitliche Schwerpunkte. Für die Vorweihnachtszeit gibt es so viele wunderbare Kinderbücher! Aber für die Jugendlichen - Wüste! Dabei haben sich so viele Fragen und Überlegungen ergeben, für die ich einfach gerne eine entsprechende Lektüre angeboten hätte! Als ich das Hörspiel dann schrieb, habe ich meine damaligen "Ü-Zehner" immer wieder mit einbezogen und sie gefragt, was ihnen zu dem jeweiligen Buchstaben für Themen in den Sinn kamen, die sie spannend fanden. Manchmal war ich selbst ganz überrascht über die Antworten. Aber immer sehr inspiriert!"
Wie lange haben Sie an dem Projekt gearbeitet?
"Schwierig zu beantworten. Oft staut sich vieles ja lange Zeit an, und wenn man dann anfängt zu schreiben, fließt es. Natürlich gab es viel zu recherchieren, aber das macht ja Spaß! Die Umsetzung hat dann allerdings schon noch eine ganze Weile gebraucht. Das Hörspiel hat eine ganz eigene dramaturgische Form und ich freue mich, dass ich so habe begeisterte Mitmacher finden konnte: meinen Toningenieur und Mitproduzenten Michael Pëus, die Sprecher Juliane Ahlemeier und Tim Schneider, den Komponisten Christian Dellacher - ein tolles Team! Da wir alle das als Nebenbaustelle betrieben haben, hat es schon eine Weile gebraucht."
Wie sind die Reaktionen der Hörer?
"Es gab unterschiedliche Reaktionen, aber das Tolle war: es hat keinen kalt gelassen! Es gab viele interessante Diskussionen anschließend. Immer wieder war spürbar, dass da etwas aufgebrochen war, das nachwirkte. Ganz oft hieß es, dass man sich einige Themen noch öfter anhören müsse, um sich damit auseinanderzusetzen. Im Kölner Musik-Humboldt-Gymnasium hat ein Lehrer es einmal mit "Sophies Welt" verglichen. Es hat natürlich einen ganz anderen Umfang, und ich sehe es mehr als einen Anstoß, aber die Richtung stimmt schon."
